Hallo Leute.
Wahrscheinlich dürften der/die eine oder andere von Euch schon des Öfteren über Openoffice geflucht haben – zu langsam, zu träge oder zu überladen? Abiword ist bei größeren und längeren Dokumenten leider keine echte Alternative. Und anpassen kann man es (Symbolleisten etc.) auch nicht.
Seit einigen Jahren bietet die deutsche Softwareschmiede Softmaker ihr Office 2006 für Windows und auch für Linux und FreeBSD an. Obwohl recht unbekannt, ist das Paket einen zweiten Blick wert. Es stellt sich als sehr schnell, konfigurierbar und resourcenfreundlich dar – bes. auf älteren Systemen und Distris eine echte Alternative. Ich verwende es seit Jahren. Es wird auch in der Wiki erwähnt (zu meiner Schande: der Eintrag ist nicht von mir).
Unter Windows sind die Softmaker – Pakete auch von der Resale-Firma Ashampoo noch preiswerter erhältlich.
Kritikpunkte unter Linux waren meist: - kein Präsentationsmodul - kostenpflichtig
Nun zu Punkt 1 kann ich sagen, daß nach der Windows-Version nun endlich auch eine Linuxversion von Softmaker Office 2008 bereitsteht, die ein Präsentationsprogramm „Presentations“ bietet. Was Punkt 2 anbelangt, so ist dies natürlich Anschauungssache. Ich persönlich sehe das Nutzen von Linux nicht im Widerspruch dazu, auch mal Geld für gute Software zu zahlen. Aber das ist nat. Ansichtssache.
Bisher ist die Beta von Softmaker Office 2008 draußen und ich habe sie mit ein paar Freunden inzw. Mal auf acht untersch. Linux-Maschinchen getestet. Deswegen hier ein kurzer Abriß für alle Interessierten. Die Beta ist übrigens bis zum 30.09. nutzbar und durch Registrierung bei Softmaker frei erhältlich für Testzwecke.
Office 2008 besteht aus Textmaker 2008 – die Textverarbeitung Planmaker 2008 – die Tabellenkalkulation Presentations 2008 – das Präsentationsmodul Integrierter Duden (leider nur die „neue deutsche Rechtschreibung“) – nicht in der Beta enth.
Als Erstes fällt auf, daß die Installation merklich verbessert wurde. Hatte Office 2006 nur ein rudimentäres Installationsprogramm, wird Office 2008 auch als .deb und .rpm – Paket ausgeliefert, was die Installation merklich erleichtert. Es integriert sich im Gegensatz zum Vorgänger auch sofort natlos ins Startmenü und steht sofort zur Verfügung. Die Startzeit bleibt unter der von Openoffice, ist jedoch spürbar langsamer, als Office 2006 und Abiword. Die Zusammenarbeit zwischen der Windows- und der Linux-Version funktioniert jetzt sehr gut. Die Dokumente sehen – bei gleichen installierten und im Dokument verwendeten Schriften – praktisch gleich aus (diverse der Beta zuzurechnende Darstellungsfehler mal ausgenommen). Dies gilt für alle drei Module. Der Import von Powerpoint-Präsentationen in Presentations 2008 gelingt mühelos und sieht sehr ansprechend aus. Eine Anzahl guter Assistenten z.B. für Serienbriefe etc. wird mitgeliefert. Das Paket ist sehr einfach bedienbar und merklich übersichtlicher als Openoffice, was es Linux-Umsteigern sehr erleichtert, damit klarzukommen und sofort gute Ergebnisse zu erzielen, ohne lang in Handbüchern oder Textdokus zu stöbern. Planmaker bietet nun erheblich mehr Diagrammfunktion und Diagrammvarianten an. Für Abwechslung in der Darstellung kühler Zahlen ist also gesorgt.
Bei allem Licht darf man allerdings auch den Schatten nicht vergessen. Allerdings muß ich fairerweise vorrausschicken, daß es noch eine Beta ist und ich hoffe, daß Softmaker noch was dran tut…
Die Integration ins Drucksystem von Linux ist sehr schlecht. So ist es nur über umständliche und nur Linux-Fortgeschrittenen klare Befehle möglich, einen anderen Drucker als den Standardprinter zu wählen. Die Druckoptionen sind rudimentär, Veränderungen im Ausdruck müssen also in den KDE-Dialogen bzw. bei Gnome in den zentralen Druckeinstellungen gewählt werden. Das ist in jedem anderen Programm unter Gnome oder KDE besser und professioneller!
Textmaker 2008 ist sehr langsam und ruckelig beim Scrollen geworden. Dies betrifft vor allem längere Dokumente. Ich habe hier mom. Ein Manuskript mit 280 Seiten habe ich hier z.B. gerade vor mir und es ist ruckelt extrem – bes. bei Seiten mit viel Text. Man kann das Ganze ein wenig beschleunigen, indem man im Menüpunkt Einstellungen unter Allgemein die "SHM-Erweiterungen verwenden" deaktiviert. Richtig Performance, wie in Textmaker 2006 hat man aber auch dann nicht. Lt. Information durch Softmaker verwendet SoftMaker Office 2008 für Antialiasing und für Alphatransparenzen erstmals die Xrender-Extension von Linux. Es stellt sich zudem dar, daß Office 2008 noch Probleme mit div. Truetype-Fonts, z.B. den msttcorefonts (Times New Roman, Comic Sans…) hat. Hier treten bei Überschriften und langen zentrierten Texten Darstellungsfehler auf. So warden z.B. Leerzeichen noch als umrandete Kästchen dargestellt, wenn man alle Zeichen und Umbrüche als sichtbar einstellt. Außerdem wird der Text dann oft über den Seitenrand hinaus dargestellt. Diverse Probleme sind auch noch mit den Symbolleisten festzustellen, die hin und wieder spurlos verschwinden und erst nach einem Neustart wieder da sind. Das Öffnen von längeren Dokumenten aus Office 2006 führt z.T. zu veränderten Seitenumbrüchen und Verschiebungen von Zeilen. Zeilen sehen bes. nach Absätzen aus, als wenn ein ungeleichmäßiger Zeilenabstand vorhanden ist. Eine Warnung an alle Office 2006 – Nutzer: Das Dateiformat hat sich geändert! Office 2008 – Dokumente können in 2006 nicht geöffnet werden und müssen explizit im Office 2006er – Format
Planmaker 2008: Bei Öffnen von 2006er – Dokumenten werden hin und wieder bei großen Tabellen zusammengefaßte Zellverbünde einfach aufgelöst werden und wieder als Einzelzellen dastehen. Das läßt sich aber mit zwei Mausklicks beheben. Eingebettete Grafiken verschwinden bei Import aus Office 2006 manchmal. Dies scheint jedoch ein Darstellungsfehler zu sein, da nach Neustart des Programmes und erneutem Versuch es dann meist klappt.
Presentations 2008: Ist gegenüber dem Präsentationsmodul von Openoffice 3 sehr langsam und im Bildaufbau träge – bes. bei der Verwendung eines proprietären Grafiktreibers! Hier sieht es subjektiv so aus, als wenn das Modul auf Biegen und Brechen zu integrieren versucht wurde, ohne sich ausreichend Zeit dafür zu nehmen.
Generell ist zu sagen, daß Office 2008 zwar MS Office 2003 lesen und schreiben kann, nicht jedoch das MS Office 2007er – Format! Zudem stellen sich die Import-/Exportfilter leider nicht so zuverlässig, wie die in Openoffice integrierten dar.
Irritiert hat uns, daß die Windows-Version von Office 2008, die von Stick gestartet werden kann, unter Wine besser, schneller und stabiler läuft, wie die native Office 2008 für Linux. Wer also die Windows-Version legal erworben hat, kann hier Geld sparen.
Ein Wort zum Forum und Support von Softmaker… Dieser ist – das muß man ganz klar sagen, unzureichend. Probleme werden versucht, abzustreiten oder totzureden. Eingesandte Testdateien werden ignoriert oder es wird versucht, zu behaupten, man hätte keinen Fehler feststellen können… selbst, wenn dieser in etlichen Foren bestätigt wird. Aber man kennt das ja von Microsoft… Hier sollte sich Softmaker ganz klar einmal selbst fragen, ob Linux-User bereit sind, Geld für ein Produkt auszugeben, dessen Funktionen sie bei anderen Programmen „für lau“ erhalten, wenn nicht mal der Support richtig funzt. Leider war dies bereits bei Office 2006 so. Ich spreche jedoch ausschließlich von meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen im Forum - diese können sich von denen anderer unterscheiden. Auch bin ich selbstverständlich keineswegs unfehlbar in meinem Urteil!
Fazit: Wenn Softmaker die Probleme in den Griff kriegen sollte, wird es ein brauchbares Produkt werden. Es ist jedoch fraglich, ob es die Performance und Zuverlässigkeit von Office 2006 erreichen wird. An den Features wurde z.T. an falscher Stelle gefeilt – die Integration bes. der Druckumgebung ist nach wie vor schlecht. Meine persönliche Empfehlung zum heutigen Tage ist (nur meine eigene Meinung), weiter Office 2006 zu behalten, oder – wer unbedingt Präsentationen braucht – das neue Openoffice 3.0 zu nehmen. Dieses startet zwar langsamer, läuft jedoch dann weitaus flüssiger, ist besser integriert und arbeitet mit der Druckumgebung von Linux besser zusammen. Auch sind die Filter zuverlässiger und importierte Dokumente müssen weniger nachbearbeitet werden.
Abschließend mache ich ausdrücklich darauf aufmerksam, daß hier die Beta getestet wurde. Es gibt sicher einige Dinge, die sich bis zur Final noch ändern und hoffentlich verbessern werden. Sofern gewünscht, werde ich bei Erscheinen dieser entsprechend Erfahrungen posten, was das Bild abrunden dürfte. Ich will hier auch das Programm nicht schlechtreden, da ich von Office 2006 ein großer Fan bin. Ich empfehle aber dennoch jedem, sein eigenes Urteil zu fällen und bei Interesse die Beta bzw. später die befristete Testversion zu prüfen.Testet es jedoch gründlich, ob es bei dem von Euch verwendeten System problemlos läuft.