Diese Geschichte muß ich einfach loswerden...
Ich habe einen relativ alten Rechner: AMD, ca. 1,2 MHz getaktet, 512 MB RAM. Darauf hatte ich W98 und Breezy. W98 war (auf diesem Rechner) von je her instabil, brauchte ewig zum Hochladen, stürzte dauern ab, fand keinen USB-Stick, der Monitor lief nur auf 60 Hz usw. usf. Breezy lief fein, in jeder Hinsicht. Darum hatte ich auch meine Daten nur noch dort gespeichert, brauchte ja nichts anderes.
Nun kam Dapper. Dennoch wurmte mich, daß ein Teil meines Rechners irgendwie brach lag. Also beschloss ich, den Rechner platt zu machen, dann W2000 zu installieren und danach Dapper.
Gedacht, getan: nach dem Sichern der Daten legte ich meine gute alte Notdiskette aus DOS-Zeiten ein und startete neu. Da die erste Überraschung: es gab keine Festplatte - überhaupt keine! Ich dachte mir: naja, die Diskette (genauer: die Programme auf ihr) sind ja auch schon ein paar Tage alt. Überlaß die Sache einfach W2000.
Ich lege also die W2000-CD ein. Nach minutenlangem Laden von irgenwelchen Dateien verabschiedet sich das Setup mit der Bemerkung, daß es auf meinem Rechner keine Festplatte gäbe.
Also lege ich wieder die Notdiskette ein, starte nochmal neu und rufe dann das gute alte FDISK auf, das mich wirklich noch nie in Stich gelassen hat. FDISK erkennt eine primäre, eine erweiterte und eine Nicht-DOS-Partition. Erstere und letztere konnte ich entfernen, jedoch nicht die Erweiterte. Mittlerweile hatte sogar FDISK seine Countenance verloren und gab sehr seltsame Meldungen raus. Dann startete ich das W2000-Setup erneut. Wieder dieses Rumgeeier, dann die Meldung, die ich befürchtet hatte: Ihr Rechner hat keine Festplatte.
Mittlerweile hatte ich Schweißperlen auf der Stirn. Ich hatte nun einen Rechner, der zwar technisch einwandfrei lief, aber irgendwie gar nicht mehr zu gebrauchen war, weil sich kein Betriebssystem mehr darauf installieren ließ.
Kein Betriebssystem? Ich entnahm dem Rechner die W2000-CD (wenigstens das ging noch). Da lag sie in meiner Hand: schimmernd wie ein Ritter in Rüstung, so mit Hologramm und so. Dann suchten und fanden meine Augen die kleine, häßliche CD von Kaufland, auf der ich mit Folienstift vermerkt hatte: 1.6.2006, ubuntu-6.06-desktop-i386.iso.
"Jetzt gilt's", dachte ich mir. Ich legte die Dapper-CD also ein und startete den Rechner neu...
Und es lief! Ein paar begrüßende Worte, schon lief Dapper mit diesem geschmackvollen Icon "Install" auf dem Desktop. Neugierig schaue ich in den Festplatten-Manager, um einen Überblick über die aktuelle Lage zu bekommen. Kurz gesagt ging es auf der Festplatte drunter und drüber, und ich sah wesentlich mehr Partitionen als vorher mit FDISK. Schaudernd schließe ich das Programm und starte die Installation. Es kommt die Frage, ob ich die Partitionierung selbst vornehmen will oder ob Dapper die Sache selbst in die Hand nehmen soll (eine dritte Option war auch noch dabei, an die ich mich im Moment nicht erinnere). Da ich vom Partitionieren für den Tag die Nase voll hatte und ehrlich gesagt auch nicht recht wußte, ob ich nicht vielleicht was falsch machen würde, entschied mich mich dafür, Dapper machen zu lassen.
(Zu meiner Ehrenrettung: ich habe in meinen Leben schon des öfteren Festplatten ein- und ausgebaut, umpartioniert etc. Aber so etwas war mir noch nie passiert. Doch wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann fällt mir auf, dass ich das noch nie mit einem Rechner versucht hatte, der ein Linux drauf hatte.)
Und Dapper machte! Dapper lief! Ich bedaure, daß ich nicht die Zeit für die Installation gestoppt habe. Aber ich schwöre, dass es die schnellste Installation war, die ich jemals erlebt habe. Ich würde mal sagen, vom Einlegen der Dapper-CD über Internet bis zum Einstellen des Bildschirms (ATI-Treiber installieren und das übliche Rumgefummel an der xorg.conf) verging maximal eine Stunde. Und da waren die vielen Programme, die mit Dapper kommen, ja dabei! Dapper startet bis zum Anmelden in 45 Sekunden, danach nochmal etwa zehn Sekunden - fertig. Gnome ist wesentlich schneller, auffällig ist auch, dass der Bildschirm wesentlich besser läuft (will sagen: das Bild ist einfach um Längen besser als bei Breezy). Das mag aber daran liegen, dass ich einfach mal die richtigen Horizontal- und Vertikalfrequenzbereiche geraten habe. Etwas seltsam ist, dass Nautilus aus dem Menü "Anwendungen" verschwunden ist.
Doch nach der ersten Freude, daß ich nun wieder einen funktionierenden PC habe, ging mir plötzlich ein leichter Schauder über den Rücken. Denn es ist das erste Mal, daß ich auf einem Rechner ganz allein mit Linux bin. Es ist ein seltsames Gefühl, dass Ihr mir nicht nachtragen dürft, nach den vielen, vielen Jahren Windows, die hinter mir liegen. Aber es ist wirklich wahr: da ist kein Windows mehr auf meinem Rechner.
Aber ich frage mich: was ist eigentlich passiert?
Warum konnte ich mit FDSIK die erweiterte DOS-Partition nicht löschen?
Warum habe ich so gar nichts davon mitbekommen, dass die Festplatte neu formatiert wurde? Bei früheren Windows-Installation verging alleine damit eine geraume Zeit.
Und ist es eigentlich möglich, W2000 auf einem "Nur-Linux-PC" zu installieren?
Warum ich das tun sollte? Nun, es gibt dafür nur noch einen einzigen Grund (früher gab es zwei, aber ich habe meine Frau nun auch nach Linux migriert): ich würde gerne mein altes Baldur's Gate weiterspielen. Doch wenn ich herausfinde, dass das ab Installations-CD unter Linux geht, ziehe ich diese Frage sofort zurück!
Eremit