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Tenacity vs Audacity

Status: Gelöst | Ubuntu-Version: Ubuntu 24.04 (Noble Numbat)
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mpunkt

Anmeldungsdatum:
2. März 2023

Beiträge: 29

Hallo zusammen,

nach der Übernahme von Audacity durch die Muse Group (auf LN) gab es einen deutlichen Aufschrei und viele Forks.

Nun steht auf Wikipedia, dass Tenacity der einzige Fork ist, den es noch gibt.

Wie ist der Stand jetzt? Hat sich Audacity rehabilitiert und ist weiterhin das, was "man eben so nutzt" oder sollte jeder, dem wirklich freie, open source und datenschutzkonforme/datenarme Programme wichtig sind, die auch funktionieren, Tenacity nutzen?

Hat es geklappt, dass genug Entwickler sich Tena- und nicht Audacity anschließen?

Audacity hatte letzte Woche eine neue Version auf Github released und Tenacity auf Codeberg vor 10 Monaten.

Meine Frage ist folglich, was ihr verwendet und ob es ratsam ist auf Tenacity zu wechseln?

Grüße

trollsportverein

Avatar von trollsportverein

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21. Oktober 2010

Beiträge: 4676

Zu viel Alarmismus, meiner Meinung nach. Als alter BSDler fühle ich ohnehin etwas entspannter, was OpenSource-Lizenzen betrifft.

Wenn diejenigen, die solche Panik verbreiten, sich bloß mal die Mühe gemacht hätten Audacity selbst aus dem Git zu bauen. All das, worüber herum genölt wurde, lässt sich beim Eigenbau von Audacity in in den Build Optionen, je nach eignen Wunsch, aus- oder einschalten.

Wenn man zum Beispiel die feinen Steinberg Werkzeuge haben will, dann muss man auch die Lizenzen hinnehmen.

Will man einen schweigsames Audacity haben, kann man diese Build Optionen setzen:

-Dhas_crashreports=Off -Dhas_sentry_reporting=Off -Dhas_updates_check=Off

¯\_(ツ)_/¯

von.wert

Anmeldungsdatum:
23. Dezember 2020

Beiträge: 11741

Der Zündpunkt sind nicht Lizenzen gewesen, sondern das wiederholte klammheimliche Nachhausetelefonieren und die fadenscheinigen Ausreden nach der Übernahme.

mpunkt

(Themenstarter)

Anmeldungsdatum:
2. März 2023

Beiträge: 29

Hallo ihr beiden,

danke euch für eure Antworten.

Wisst ihr denn etwas von den Projektständen? Ist Audacity unter oder über der Haube "viel weiter" entwickelt und Tenacity hat weniger Funktionen, dafür mehr Datenschutz oder ist Tenacity wirklich ein gleichwertiger Fork auf Augenhöhe, nur eben ohne das nach Hause Telefonieren?

Es gibt ja Projekte, die sich durchgesetzt haben und andere nicht. OpenOffice und Libreoffice und andere nicht, wie bei GIMP und (tja, ich weiß eben nicht einmal, wie es heißt), "nur" weil der Name auf irgend einer Sprache eine Beschimpfung von Behinderten ist.

Konkret geht es bei mir darum, dass ich gerade abschätzen soll, was ich in einer Schule installiere. Die Lehrer und Schüler haben sich auf freie Software eingelassen (nutzen tatsächlich Linux-Clients) und ich versuche abzuschätzen, ob ich ihnen Audacity oder Tenacity vorlegen soll. Wenn die funtkionsgleich sind, kann ich gerne zum Datenschutz und Lizenz-Ideologie greifen, wenn Audacity einfach mehr Funktionen hat, oder einfach schicker aussieht, dann wird es das. Wir bewegen uns ja eh schon auf einem hohen Niveau. Denn der wichtigste Schritt war der weg von Windows, Photoshop und Premiere usw.

Schönen Gruß

von.wert

Anmeldungsdatum:
23. Dezember 2020

Beiträge: 11741

mpunkt schrieb:

Ist Audacity unter oder über der Haube "viel weiter" entwickelt und Tenacity hat weniger Funktionen, dafür mehr Datenschutz oder ist Tenacity wirklich ein gleichwertiger Fork auf Augenhöhe, nur eben ohne das nach Hause Telefonieren?

Ich nutze zwar Audacity (Arch Linux, bedeutet, Paketverwaltung aus den Sources mit Patches) seit Ewigkeiten hin und wieder, aber sicher nicht tiefergehend, um sämtliche mögliche Funktionen beurteilen zu können.

Probiere Tenacity doch einfach aus! Viele Möglichkeiten hast Du da derzeit eh nicht, AppImage, selbst Kompilieren.

Solltest Du feststellen, da fehlt was oder funktioniert nicht so, wie Du es vielleicht unter Audacity kennst, kannst Du immer noch wechseln. Auch auf den Rechnern der Lehrer und Schüler, das ist ja nun nicht komplett anders.

Wie deployest Du denn?

shinichi

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14. März 2008

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Wohnort: Lausitz + Honshu

Ich verwende gleich was richtiges, nämlich Ardour. Klar, für manch editing job ist die Anwendung zu mächtig aka Kanonen auf kleine Aves, aber das ist mir egal. Dadurch, dass ich gleich eine richtige DAW benutze, komme ich mit der Zeit auch immer besser mit dieser zurecht und bin Stück für Stück besser gewappnet für höhere Aufgaben, die kommen mögen. Der kontroverse Übernahme der MuseGroup von Audacity hat mich damals schon wechseln lassen. Außerdem fühlt sich nun Ardour eben freier an. Der Macher von Ardour hat auch bereits zuvor JACK gebaut, also in Ardour steckt bereits starke Kompetenz. Ich finde, seit der Übernahme von Audacity sollten Linuxnutzer eher und vermehrt Ardour unterstützen und nutzen und Audacity ignorieren. Es ist doof, wenn in 5 Jahren Audacity besser ist als Ardour und wir dann alle der MuseGroup ausgeliefert sind bzw. die open source community indirekt Arbeit für dieser Firma macht.

mk1967

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24. April 2011

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Wohnort: Rheinland

Ich würde dir und auch jedem, der neu in die Audiobearbeitung einsteigt (solange er keine professionellen Musikproduktionen vorhat, wo man jede Menge Spezialfunktionen braucht) unbedingt denselben Tip geben wie shinichi: Wenn man sich ohnehin einarbeiten muß, sollte man sich das beste Programm greifen: in unserem Falle Ardour.

Audacity war vor fünfzehn Jahren wirklich toll für ein Gratis-Programm; und vor 25 Jahren hat man von so was "für lau" nur geträumt. Aber gemessen an Ardour ist Audacity heute in der Bedienung sehr hakelig, sobald man über zwei, drei reine Nullachtfuffzehn-Schnitte hinausgeht.

Man kann sich unter Ardour mit der Maus ungleich komfortabler im Projekt bewegen, kann einzelne, auch länger zurückliegende Bearbeitungsschritte bei Bedarf noch einmal revidieren, kann an Details schrauben - die Arbeit mit einem Projekt ist, sobald man das Prinzip kapiert hat, im Ganzen transparenter und in den Einzelschritten gedanklich nachvollziehbarer als unter Audacity.

Dort empfinde ich einiges als Schwarze Kiste, in der sich Sachen abspielen, die ich nicht so gut unter Kontrolle habe wie unter Ardour.

Daß Ardour noch viele zusätzliche Funktionen bietet, kommt noch dazu - man braucht zwar bei weitem nicht alles, aber das eine oder andere Ergiebige ist schon dabei.

Ich habe vor ca. zwölf Jahren mit meinen Uni-Studenten in Audio-Seminaren auch kurz mal Audacity versucht, bin dann aber ziemlich schnell bei Ardour gelandet und empfehle es den Leuten bis heute. Zwar gibt es dort ab und an Schwierigkeiten, aber die haben meist nur mit der Einbindung ins Audiosystem von Windows-Rechnern zu tun. Für den Linux-Bereich ist Ardour vollends konkurrenzlos.

Möglicherweise muß man in der (Schul-)Praxis bei ein paar Leuten, die nach Feierabend im Netz herumgesucht und Audacity gefunden haben, mit Ardour dann das eine oder andere Vorurteil überwinden - auch in der Uni kennen einige schon Audacity. Aber der Aufwand lohnt sich. Daß Audacity in fünf Jahren besser sein könnte als Ardour - uiiii, mir das vorzustellen, überfordert meine blühende Phantasie... 😉

Übrigens klasse, daß die Schule (wie es jede öffentliche Schule tun sollte) sich von kommerzieller Software abgewandt hat 👍 .

Falls dir das was hilft - ich habe vor einer Weile mal die Anleitung für die ganz Neugierigen unter meinen Studis hochgeladen, wie man sich ein (professionelles) Linux-Audiosystem einrichten kann, in dem auch Ardour seinen Platz hat. Kann gern auch frei weiterverbreitet werden. (UbuntuStudio 24.04 ist allerdings noch nicht berücksichtigt, das mit einzubauen, hatte ich noch keine Zeit.) Zur Ardour-Bedienung gibt es hier auf dem Portal auch noch einen ausführlichen Artikel.

mpunkt

(Themenstarter)

Anmeldungsdatum:
2. März 2023

Beiträge: 29

Hallo zusammen,

Tenacity hat es offensichtlich noch nicht in die Repositorys geschafft. Und da gerade der Informatiklehrer hinter mir stand und Ardour bereits kennt, wurde es das.

Ich bin sehr gespannt, wie die Schüler reagieren.

Vielen Dank für die Infos und auch für die Anleitung @mk1967

Schönen Gruß MPunkt

Ps. Wir haben hier an der Schule eine eigene Musterlösung mit Ubuntu Clients (den richte ich gerade ein, bisher war es Ubuntu mit Cinnamon Oberfläche). Unterricht und alles ist kein Problem, das Problem sind die Vorurteile "Die Schüler sollen das lernen, was in den Firmen genutzt wird" usw.

mk1967

Anmeldungsdatum:
24. April 2011

Beiträge: 1431

Wohnort: Rheinland

Super 👍 . Und vorbildlich. So kommerz-fern sollte man an jeder Schule denken, die ich mit meinen Steuern mitfinanziere.

Um's euch evtl. etwas zu erleichtern: Ich habe mal meine Uni-Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Arbeit mit Ardour etwas modifiziert (u.a. die Verweise auf Installationsdateien für Windows und Mac rausgenommen) und hochgeladen. Es geht dort mit Beispielprojekten u.a. um

  • Audioschnitt,

  • Mischungen und Montagen,

  • Verbinden von Wortabschnitten und Musikeinblendungen per Pegelautomation,

  • schließlich zum Abschluß um korrekte Gesamtpegeleinstellungen nach EBU-Lautheits-Vorgaben.

Das ist mehr oder weniger die Vorstufe zu der weiter oben schon verlinkten PDF, in der es sich um die ganze Peripherie im Rechner, Effekt-Plugins etc. etc. dreht.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr beide PDFfen natürlich auch unter Dritten frei weiterverbreiten. Wir sind hier ja bei .

Kreuzschnabel

Anmeldungsdatum:
12. Dezember 2011

Beiträge: 1349

Ich habe mit einem pauschalen „Ardour ist besser als Audacity“ so meine Probleme. Ob ein Ferrari besser ist als ein Kangoo, hängt auch davon ab, ob man einen ganzen Sessel reinschieben will oder nicht ☺

Ardour als ausgewachsene DAW kann insgesamt viel mehr, gar kein Zweifel. Nützt mir nichts, wenn ich das meiste davon nicht brauche. Und das, was ich für meine Hauptbeschäftigung (Schneiden grenzwertiger O-Töne und Zusammenbauen von Vokalbeiträgen) brauche, finde ich in Audacity deutlich einfacher. Für die praktische Schnittsimulation (edit rehearsal) in Audacity (also das Überspringen der Auswahl beim Abspielen) hab ich in Ardour überhaupt noch nichts Vergleichbares gefunden – da muss man wohl undo-en, bis der Schnitt sitzt. Und kann ich in Ardour einen Mixdown der fertigen Produktion wirklich nur durchführen, indem ich sie in Echtzeit abspiele und auf einen neuen Summentrack aufnehme? Audacity rechnet mir meine Einzeltracks in wenigen Sekunden auf einen Mixtrack runter.

Insofern finde ich die beiden zu unterschiedlich, um einen davon als „besser“ zu etikettieren.

--ks

mk1967

Anmeldungsdatum:
24. April 2011

Beiträge: 1431

Wohnort: Rheinland

Oha 😲 - gut daß du fragst...

  • Ardour hat vorn im Projekt-Menü eine Exportfunktion: Projekt > Exportieren > Exportiere Audio-Datei. Ich mache es immer mit der Tastenkombination Alt + E, deshalb habe ich den exakten Menübefehl jetzt nicht im Kopf. Dann öffnet sich ein Fenster, bei dem keine Wünsche offenbleiben sollten 😉.

Ardour hat in der Tat (leider) keine solche Vorhör-Funktion. Aber das kann man schnell umschiffen. Dazu kannst du (bei Bedarf) auch in die gerade verlinkte PDF gucken. Ich mache das immer folgendermaßen:

Angenommen, ich möchte aus dem Satz "Paul geht Obst, Käse, Brot, Gemüse, Handtücher, Haferflocken und weitere Nahrungsmittel kaufen." die gelb markierten Worte rausschneiden...

  • Ich stelle oben links den "Smart"-Modus für die Maus ein.

  • Ich markiere die Region, in der der Satz steht, gehe dort mit dem Cursor/Tonkopf vor das Wort "und" und drücke die Taste "S". Damit ist die Region an dieser Stelle geteilt.

  • Ich bewege die Maus ein klein wenig nach links, bis der Mauszeiger zu einer nach links offenen eckigen Klammer wird.

  • Dann halte ich die linke Maustaste und bewege die Maus nach links. Damit kann ich das Ende der ersten Region nach links ziehen.

  • Ich ziehe sie nach links bis direkt vor den Beginn des Wortes "Brot" und lasse die Maus los.

  • Dann gehe ich mit der Maus in die untere Hälfte der rechten Region "und weitere Nahrungsmittel". Dann kann ich die rechte Region mit gehaltener linker Maustaste verschieben.

  • Ich ziehe die Region nach links, bis sie passend hinter "Käse" steht. Am besten so, daß die beiden Regionen sich etwas überlappen. Ardour baut automatisch eine kurze Kreuzblende, damit es nicht knackst.

  • Zur Kontrolle drüberhören, fertig. Falls es doch noch nicht gut klingt, die rechte Region etwas zurechtrücken.

Es klingt in dieser Aufzählung zwar kompliziert. Geht aber ratzfatzschnell. Und hat gegenüber Audacity den Riesenvorteil, nicht-destruktiv abzulaufen. Ich kann also morgen immer noch alle möglichen Schritte korrigieren, wenn ich merke, daß ich heute Mist gebaut habe.

Kreuzschnabel

Anmeldungsdatum:
12. Dezember 2011

Beiträge: 1349

mk1967 schrieb:

Oha 😲 - gut daß du fragst...

  • Ardour hat vorn im Projekt-Menü eine Exportfunktion: Projekt > Exportieren > Exportiere Audio-Datei.

Ich will aber nicht gleich exportieren, ich will mein Projekt erstmal auf eine Stereospur runtermischen, mit der ich dann noch was anfange – etwa durch einen Kompressor schicken. Gut, der ließe sich in Ardour eventuell im Master-Zweig einrichten. Dann aber erst ganz am Schluss, damit ich den Kompressor nicht während der O-Ton-Schnitte schon drin habe.

Angenommen, ich möchte aus dem Satz "Paul geht Obst, Käse, Brot, Gemüse, Handtücher, Haferflocken und weitere Nahrungsmittel kaufen." die gelb markierten Worte rausschneiden...

Ich will eher einen Versprecher wie „Gemüse, Handtür…Hindtücher, Haferflocken“ rausschneiden. Dazu muss mitten im Wort vor dem „t“ geschnitten werden, weil dazwischen beide Wortteile verunglückt sind. Das geht zwar mit kaum einer digitalen Gerätschaft so gut wie mit dem guten alten Magnetband, wo es sich von selbst intuitiv schrubbt, aber seis drum. Dazu muss ich in der Wellendarstellung möglichst zielsicher zweimal das „t“ ansteuern können. Ohne Kreuzblende ☺

Das finde ich in Audacity sehr gut machbar. Vielleicht gewöhne ich mich noch an was anderes, aber es ist nicht wenig Umstellung. Vor allem sehe ich keinen Grund für „Audacity ist doch Kinderkram, nimm was Richtiges“. Ich nehme immer das Tool, mit dem ich am besten arbeiten kann. Welchen Ruf es hat, ist mir wurscht.

--ks

mk1967

Anmeldungsdatum:
24. April 2011

Beiträge: 1431

Wohnort: Rheinland

Das ist ganz klar - und ich sage es meinen Studis auch immer: "Wenn Sie schon mit einem Programm vertraut sind und keine Lust auf Ardour haben, dann bleiben Sie beim Gewohnten." Entscheidend ist allein, was hinten rauskommt - und mit wieviel Aufwand man das schafft.

Kreuzschnabel schrieb:

Ich will aber nicht gleich exportieren, ich will mein Projekt erstmal auf eine Stereospur runtermischen, mit der ich dann noch was anfange – etwa durch einen Kompressor schicken. Gut, der ließe sich in Ardour eventuell im Master-Zweig einrichten. Dann aber erst ganz am Schluss, damit ich den Kompressor nicht während der O-Ton-Schnitte schon drin habe.

Ah, dann hatte ich das Wort "Mixdown" mißverstanden. (Bzw. kapiere immer noch nicht, was der Unterschied zum Export ist ☺ .)

Hm, also, wenn ich an Ardour etwas bemerke, dann ist es Variabilität: Ich könnte so einen Kompressor in die Masterschiene legen, aber auch in eine Hilfsschiene und deren Ausgang dann zur Masterschiene schicken. Und, wenn ich Lust habe, zwischendurch noch mal raus in irgendeine externe Software und wieder zurück und kreuz und quer durch die Landschaft. Speziell JACK als Ardour-Basis läßt einem da so viele Möglichkeiten, daß ich hier wirklich keine Grenzen sehe.

Auch selektive Exporte einzelner oder mehrerer Spuren mit oder ohne Effekte (und die Effekte mal hinter dem Regler, mal davor etc. etc.) oder was weiß ich noch alles sind da schnell gemacht.

Kreuzschnabel schrieb:

Ich will eher einen Versprecher wie „Gemüse, Handtür…Hindtücher, Haferflocken“ rausschneiden. Dazu muss mitten im Wort vor dem „t“ geschnitten werden, weil dazwischen beide Wortteile verunglückt sind. Das geht zwar mit kaum einer digitalen Gerätschaft so gut wie mit dem guten alten Magnetband, wo es sich von selbst intuitiv schrubbt, aber seis drum. Dazu muss ich in der Wellendarstellung möglichst zielsicher zweimal das „t“ ansteuern können. Ohne Kreuzblende ☺

Das Spielchen ist mir einigermaßen vertraut - ich arbeite beim Radio, da sind das Versprecher- und Äh-Rausschneiden und das Ansteuern der "t"s täglich Brot 😉. Besonders gern genommen in Sprachaufnahmen aus halligen Räumen. Ein paar Telefunken-Bandmaschinen M15A stehen hier auch noch im Keller (aber zum Schneiden ist mir Bandmaterial heute zu schade).

Was ich mit "Kreuzblende" meinte, habe ich mir beim kommerziellen Magix Samplitude abgeguckt: Samplitude setzt am Beginn und Ende jeder Region standardmäßig eine Blende von 35 Millisekunden. Schneidet man also zwei Regionen aneinander, gehen diese während der 35 ms ineinander über. Damit kann man Sachen unhörbar schneiden, die bei abruptem Übergang (und sogar noch in der samplitude-eigenen Vorhörfunktion) einen deutlichen Knackser o.ä. abliefern 👍 . Natürlich ist das nur theoretisch eine Kreuzblende - als solche hören kann man sie nicht.

Dakuan

Avatar von Dakuan

Anmeldungsdatum:
2. November 2004

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Wohnort: Hamburg

... Ein paar Telefunken-Bandmaschinen M15A stehen hier auch noch im Keller (aber zum Schneiden ist mir Bandmaterial heute zu schade).

Toll, als Schüler hatte ich mal eine KL25 (Halbspur). Die hat mir der Chef meines Vaters spendiert, weil er gehört hatte, das ich "Elektronik Bastler" und Amateurfunk Anwärter bin. Die (Röhren-) Elektronik hatte ich hinbekommen, die Mechanik nicht wirklich (Bandzugregelung). Momentan suche ich eine vertrauenswürdige Werkstatt, die meine Revox B77 wieder beleben kann, wobei da auch der mechanische Transport problematisch ist (ca. 17 kg).

Ob ich weiterhin Audacity verwende, habe ich noch nicht entschieden. Hängt wohl davon ab, wie ich da "nach Hause telefonieren" verhindern kann. Einen lokalen Proxy Server habe ich gerade nicht in Betrieb. Den Quältext selber zu manipulatieren traue ich mir momentan noch nicht zu.

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