Dee schrieb:
Ich habe dann zwar immer noch nicht raus, was Du genau an meinem Artikel zu bemängeln hattest, aber das kriegen wir ja vielleicht auch noch raus.
Es geht mir nicht so sehr um Deinen Artikel, als um einen Widerspruch, der bestünde, wenn Dein Artikel richtig darstellt, wie die Lizenz gemeint ist. Ich vermute eher, daß Bernd Noetscher etwas falsch gemacht hat.
Einfach formuliert: Er hatte die Idee seine Software zu verkaufen an die, die sie bezahlen können, also an kommerzielle Nutzer, und gratis abzugeben an die, die sie nicht kommerziell nutzen. Und vielleicht um der Linuxcommunity einen Gefallen zu tun die GPL gewählt. Das ist pure Spekulation, aber würde mir verständlich machen, wie er sich in eine Sackgasse navigiert hat.
Wir haben den Gegensatz Sourcecode und Open - Source - Code, und den zwischen kompiliertem Code und Sourcecode. Man darf das nicht durcheinanderwerfen, und hat auch keiner gemacht, aber zur Sicherheit: Opera gibt es oft kostenlos, aber nicht mit Source. Ich kann auch freie Software auf meinem Router haben, dann liegt vielleicht ein Zettel bei mit einer Webadresse, an der ich den Quellcode runterladen kann. Ich kann aber auch ein Basicprogramm schreiben, und es nur zum Zweck es laufen zu lassen weitergeben, ohne das Recht den Code weiterzuverbreiten oder zu ändern.
Ob der Verwender das Programm kommerziell oder privat oder wie nutzt kann ich dabei zu einem Kriterium machen, muß aber nicht. Es gibt v.a. keine Identität zwischen kommerziell u. Closed-Source bzw. Nicht-kommerziell u. Open Source.
Hat auch niemand behauptet - richtig.
Was sagt Bernd nun zur Lizenz? Es gibt 2 Seiten, einmal hier http://www.kbasic.com/doku.php?id=source_codes und zweitens hier http://www.kbasic.com/doku.php?id=kbasic_s_license .
Ich beziehe mich auf den ersten Link und zitiere:
You may use the public KBasic’s source codes of the compiler, the IDE and the VM under the terms of the GNU Public License as published by the Free Software Foundation (Version 3). If you are interested in using the source codes for other licenses or closed source commercial development, you must buy commercial licenses from KBasic Software.
Und Satz 2 steht im Widerspruch zu Satz 1.
Satz 1 sagt, das Programm (Compiler, IDE, VM) unterlägen der GPLv3. Das steht doch da - oder?
Die Präambel kennt jeder inzwischen auswendig, ☺ die brauch ich nicht wiederholen. http://www.gnu.org/licenses/gpl.html Kommen wir gleich zum Eingemachten:
2. Basic Permissions.
All rights granted under this License are granted for the term of copyright on the Program, and are irrevocable provided the stated conditions are met. This License explicitly affirms your unlimited permission to run the unmodified Program. The output from running a covered work is covered by this License only if the output, given its content, constitutes a covered work. (...)
"explicitly affirms your unlimited permission to run the unmodified program" sagt, ich darf das unmodifizierte Programm ausdrücklich ohne jede Einschränkung laufen lassen.
Das sind 2 sehr starke Formulierungen: Ohne jede Einschränkung, also auch nicht eingeschränkt auf "closed source commercial development" was ja eine normale Verwendung des unmodifizierten Programms wäre. Ich modifiziere nicht KBasic selbst - Compiler, IDE oder VM - sondern benutze sie zum Programmieren. Ohne Einschränkung. Paff! Und ausdrücklich - nun ja, es steht ja da - mehr als dastehen kann es ja nicht. Es steht schon ausdrücklich da, selbst wenn man nicht das Wort 'ausdrücklich' dazuschreibt. Hat man aber. Es ist offenbar besonders wichtig.
Und da ist er, der Widerspruch, fett wie ein häßlicher Pickel. Zwar dürfte der Entwickler eine derartige Lizenz wie er sie wohl intendiert schreiben, aber es wäre nicht mehr die GPL. Wenn man das Recht einschränkt, das Programm laufen zu lassen, dann braucht man eine andere Lizenz. Wahrscheinlich ist er einfach hin- und hergerissen, und würde gerne allen GPL-Entwicklern die Software zukommen lassen, als auch einen Batzen Geld verdienen. Aber mit der GPL verträgt sich das nicht.
Oder interpretierst Du den Ausdruck "If you are interested in using the source codes for other licenses or closed source commercial development" als nur auf die Veränderung von KBasic selbst (Compiler, IDE, VM) bezogen? Irgendwie teils - teils, oder?
Der Satzanfang 'using the source codes' legt das sehr deutlich nahe - es geht um KBasic selbst, nicht um damit gefertigte Programme. Für gefertigte Programme braucht man ja nicht den Sourcecode, sondern ein ausführbares Programm. Aber 'closed source commercial development' klingt nicht nach erweitern oder anpassen von KBasic (IDE, VM, Compiler), sondern einfach nach Entwicklung damit.
Hier könnte man jetzt fragen, was ist mit 'closed source uncommercial development' oder 'open source commercial development', aber das wird spitzfindig und unergiebig.
Es dreht sich im Wesentlichen darum, ob das, was ich mit KBasic entwickle unter diesem Kommerzvorbehalt steht, oder nur Modifikationen an Compiler, IDE, VM.
Und unter dem Absatz steht - quasi als bekräftigende Zusammenfassung:"Only for Open Source software".
Nur für Open Source Software.
Ich sehe da wenig Interpretationsspielraum. Außer er wollte die Leute ein wenig aufs Glatteis führen, und die, die sowieso GPL-Software entwickeln wollen, und keinen Nerv für die Lizenzfragen haben, sagen sich: "In Ordnung." Und die Firmen, die es sich leisten können, kaufen halt so ein KBasic - vielleicht können sie dann ihre VBasic-Sachen für den Mac verkaufen, für Linux. Und alle wären zufrieden. ☺ Wären da nicht diese Pedanten.
MySql hat(te?) auch so eine seltsame 2-Seiten-Lizenz. Die habe ich in einer Diskussion in der Berliner TU mal nahe an der Humorlosigkeit gehabt, und dann gedacht 'egal, ich nutze ja sowieso Postgresql'. Vor allem hätten sie Geld um ein paar Instanzen weit zu klagen.
Und damit sage ich, ich habe das wohl so verstanden, wie Du in Deinem Artikel, und deswegen habe ich diesen Vorbehalt: Das ist nicht GPLv3.
Er hat meine Sympathie, und ich sehe sein Dilemma, aber die GPLv3 kann man so nicht verwenden.