UbuntuFlo
Anmeldungsdatum: 8. Februar 2006
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Der ehemalige IT-Chef des Außenministeriums und jetzige Diplomat in Madrid, Rolf Schuster, gab auf einer Konferenz an, dass die Kosten pro Open-Source-Desktop um zwei Drittel unter denen vergleichbarer Rechner mit proprietären Systemen anderer Ministerien liegen.
Schuster gab diese erstaunliche Erkenntnis während einer Diskussion über offene Standards und Interoperabilität in Malaga, der Open Source World Conference 🇬🇧 , bekannt. So liegen die jährlichen Wartungs- und Betriebskosten pro Rechner um 2.000 Euro unter denen anderer Ministerien, die proprietäre Systeme einsetzen. Deutlicher werden die Kosten von nur 1.000 Euro pro Open-Source-System, wenn man bedenkt, dass die Computer des Außenministeriums weltweit verteilt sind. Das Ministerium, das etwa 11.000 Desktops auf der ganzen Welt betreibt, hat bereits 4.000 der Rechner auf GNU/Linux migriert. Die gesamte Umstellung soll Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. Laut seiner Aussagen seien etwa die Hälfte der 230 Botschaften und Konsulate umgestellt. "Die Botschaften in Japan und Korea haben schon komplett gewechselt, die Botschaft in Madrid nutzt GNU/Linux bereits seit Oktober letzten Jahres", gab Schuster an und nannte die Migration einen Erfolg. Gelegentlich tauchten kleinere Probleme auf, die gelöst werden mussten: "Es dauerte eine Weile, bis wir einen Entwickler in Japan fanden, der einige Schriftprobleme in OpenOffice.org lösen konnte." Schusters Ministerium hat schon einige Erfahrung mit der Umstellung proprietärer Systeme. So wurden dessen Server zwischen 2001 und 2004 auf GNU/Linux migriert. Die Reduzierung der (IT-)Kosten war dabei der Hauptgrund. Nachdem die Umstellung nahezu reibungslos von statten ging, wurde im Jahre 2004 die Umstellung aller Desktops beschlossen. Als kleine Hürde erwies sich dabei der Widerstand der 200 IT-Mitarbeiter, die nahezu keine Kenntnise von Linux und Freier_Software hatten. "Ihr Punkt war dabei kein technischer. Sie wussten einfach nichts über Linux und Open Source, so dass wir ihre Ansichten ändern mussten. Wir steckten sie alle in einen Crashkurs, der zeigte, wie man Linux-Server nutzt und Apache konfiguriert. Dort erkannten sie, dass es funktioniert." Auch sonst scheint Schusters Arbeitgeber offenen Standards zugetan: So will das Außenministerium Microsofts standardisiertes Dokumentenformat OOXML nicht anwenden, solange es nicht plattformunabhängig verfügbar ist. Quelle: OSOR 🇬🇧
Ikhaya-Artikel: Außenministerium: Kosten für OS-Systeme weitaus niedriger als gedacht
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katze_sonne
Anmeldungsdatum: 6. November 2007
Beiträge: 1672
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Also: toller Artikel! (solange nicht einfach nur kopiert 😉 ) Was ich aber lächerlich finde sind die IT-Mitarbeiter: Viel schwieriger als Windows zu installieren ist mit Linux (zumindest Ubuntu, mit Debian / Suse habe ich da andere Erfahrungen gemacht) auch nicht... Also ein IT-Mitarbeiter der noch nichts von Linux oder so gehört hat. Ich brauchte zum installieren von Apache (nur einfach mal zum Test) auch nicht mehr als das Ubuntuusers.de Wiki 😉
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Lux
Anmeldungsdatum: 10. November 2005
Beiträge: 5152
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dj3
Anmeldungsdatum: 18. März 2007
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Ich schließe mich katze_sonne an:
"der Widerstand der 200 IT-Mitarbeiter, die nahezu keine Kenntnise von Linux und Freier_Software hatten"
Zum erstem mal im Leben höre ich von IT-Mitarbeitern, die was gegen OpenSource hatten. Normalerweise ist das Gegenteil der Fall. Ihr Widerstand sagt Vieles über ihre Kompetenz aus. Auch die folgende Stelle sprang mir ins Auge:
"Es dauerte eine Weile, bis wir einen Entwickler in Japan fanden, der einige Schriftprobleme in OpenOffice.org lösen konnte."
Ist es wirklich so schlimm in Ostasien? Aber die Nachricht an sich finde ich sehr erfreulich und wünsche dem Außenministerium viel Erfolg mit dem Vorhaben!
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Potzblitz7
Anmeldungsdatum: 30. Oktober 2007
Beiträge: 91
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Bei uns wird nur Windows eingesetzt. Linux will keiner was von wissen. Die meisten verbinden PC' s mit Windows, Textverarbeitung mit Word. Linux geht ja gar nicht, der Bekannte eines Schwagers hat neulich mal gesagt, dass wär nix... (Gruß an die Ärzte)
Ein typisches Verhalten, dumm und blöd. Argumentation auf Bild-Zeitungsniveau. Wenn man denen dann Linux auf einem Rechner zeigt, glaubt einem das erstmal keiner. Die Älteren steigen nicht um, die teilweise schon mit Windows Probleme, aber einige habe ich schon bekehrt... 😇 Das Problem sind oft die Administratoren, die altes (Nicht-)Wissen rauskramen und die Leitungsebene, die sowieso von nix Ahnung hat und in Visionen schwebt. Traurig aber war.... Aber ich werde mit anderen Unerschrockenen den Kampf gegen die Unterdrückung der Freiheit nicht aufgeben, getreu dem Motto: Nutzt du Windows, oder arbeitest du schon mit dem PC? 😊
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manueld
Anmeldungsdatum: 18. Oktober 2008
Beiträge: 14
Wohnort: Uffenheim
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Mit dem Textverständnis haperts bei katze_sonne und dj3 wohl ein bisschen. Da stand nirgends, dass Linux schwer zu installieren sei, oder die Mitarbeiter etwas gegen Open Source hatten. Sie wussten schlicht einfach nichts davon. Und ein IT-Mitarbeiter muss nicht zwingend ein Dr. Dr. Dipl. Inf. sein, der schon mindestens 1 Mio. Quellcodezeilen für Linux programmiert hat. Dazu zählen auch normale Sachbearbeiter in einer IT-Abteilung.
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katze_sonne
Anmeldungsdatum: 6. November 2007
Beiträge: 1672
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Das mit dem installieren war doch nur ein Bsp.. Es ging einfach darum, dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass ein guter ITler noch nichts von Linux gehört hätte bzw. "Angst" davor hat oder wie auch immer. Das mit dem Programmieren habe ich ja auch nicht gesagt. Ich komme auch mit Linux zurecht, obwohl ich (fast) nicht programmieren kann (der Rest ist -zumindest noch- nicht der Rede wert...). Nur frag ich mich, was du jetzt mit Sacharbeiter meinst? Ich bin der Meinung, wenn jemand für die Computer zuständig ist, kennt er sich mit Windows aus, ist an Computern interessiert (wenn nicht, ist er halt nicht gut...) und kennt deshalb auch (zumindest ein bisschen) Linux. Gruß,
katze_sonne
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Lux
Anmeldungsdatum: 10. November 2005
Beiträge: 5152
Wohnort: Grüt (Gossau ZH), Schweiz
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katze_sonne schrieb: Das mit dem installieren war doch nur ein Bsp.. Es ging einfach darum, dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass ein guter ITler noch nichts von Linux gehört hätte bzw. "Angst" davor hat oder wie auch immer.
Klar haben die Leute Angst, grosse Angst sogar (das durfte ich jetzt bei verschiedenen Stellen merken). Sie haben Angst, dass ihr IT-Wissen, was sie unter Windows erworben haben, nichts mehr wert ist. Das ist aber leider immer dann der Fall, wenn nur gelernt wurde, wo geklickt werden muss, ohne dass die Konzepte dahinter verstanden werden. Gruss Dirk
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billiejuh
Anmeldungsdatum: 12. Oktober 2007
Beiträge: 504
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katze_sonne schrieb: Also: toller Artikel! (solange nicht einfach nur kopiert 😉 ) Was ich aber lächerlich finde sind die IT-Mitarbeiter: Viel schwieriger als Windows zu installieren ist mit Linux (zumindest Ubuntu, mit Debian / Suse habe ich da andere Erfahrungen gemacht) auch nicht... Also ein IT-Mitarbeiter der noch nichts von Linux oder so gehört hat. Ich brauchte zum installieren von Apache (nur einfach mal zum Test) auch nicht mehr als das Ubuntuusers.de Wiki 😉
Hallo, sicher ist eine Installation von Ubuntu oder einer Anwendung nicht schwerer (meist sogar einfacher) als unter Windows, aber wenn dir die Admins oder anderes Personal in die Suppe spucken und es nicht wollen, dann hast du einige Probleme damit. Auch unter vielen Admins ist z.B.die GPL kein Begriff. Oft GPL mit Freeware gleich gesetzt. Ich kann mich an ein Gespräch erinnern, wo es um ein OSS-Tool ging und die Bemerkung gefallen ist, dass Opensource grundsätzlich als gefährlich einzustufen ist. Das das nicht so ist wissen wir alle. Gestandene Win-Admins wollen nicht zwingend etwas anders dazu lernen. Die Nutzer, für die die Systeme letzendlich sind, sind da zum Teil flexibler. Viele dieser Admins halten Linux für Spielkram, dass es aber andere Vorzüge hat, wird nicht gesehen. Aber Hut ab für das auswärtige Amt, dass eine so grosse Infrastruktur sicherlich gegen erhebliche Widerstände in einer nicht kleinen Behörde umsetzt. Ich hoffe, dass dieses Beispiel Schule macht biba
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billiejuh
Anmeldungsdatum: 12. Oktober 2007
Beiträge: 504
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Lux schrieb: katze_sonne schrieb:
Klar haben die Leute Angst, grosse Angst sogar (das durfte ich jetzt bei verschiedenen Stellen merken). Sie haben Angst, dass ihr IT-Wissen, was sie unter Windows erworben haben, nichts mehr wert ist. Das ist aber leider immer dann der Fall, wenn nur gelernt wurde, wo geklickt werden muss, ohne dass die Konzepte dahinter verstanden werden.
Hallo, Bingo!!!!! aber das ist ja nicht der Fall, dass Wissen was ich unter Win gelernt habe, ist ja auch für OSS anwendbar, wenn auch in einer zum Teil anderen Form. Das man sich unter Linux viel tiefer einarbeiten kann als es unter Win überhaupt möglich ist, wird von vielen nicht verstanden. Meist bleibt es bei Win und deren Anwendungen beim Klicken auf der bunten Oberfläche. Auch ist es Mangel an der eignen Fähigkeiten, die da zu führt sich auf ein anders System einzulassen und damit Konzepte und Lösungen erarbeiten. biba
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cuartetoclash
Anmeldungsdatum: 12. August 2007
Beiträge: 412
Wohnort: X-5000
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Na dann wissen wir doch alle, wen wir 2009 wählen, dann kommt Linux auch ins Kanzleramt oder wird sogar in Deutschland gesetzlich verordnet 😉
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Pas
Anmeldungsdatum: 30. Juli 2007
Beiträge: 199
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Na dann wissen wir doch alle, wen wir 2009 wählen, dann kommt Linux auch ins Kanzleramt oder wird sogar in Deutschland gesetzlich verordnet
wen denn? Habe ich etwas verpasst?
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adun
Anmeldungsdatum: 29. März 2005
Beiträge: 8606
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Ich denke, er spielt darauf an, dass der Kanzlerkandidat Steinmeier derzeit Außenminister ist.
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Linthorul
Anmeldungsdatum: 27. Dezember 2007
Beiträge: 125
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UbuntuFlo
(Themenstarter)
Anmeldungsdatum: 8. Februar 2006
Beiträge: 12317
Wohnort: /home/flo
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Moin! Ohne den Thread in einen politischen Hinterzimmer-/Loungebeitrag driften lassen zu wollen, muss man beachten, dass das Kanzleramt eigentlich schon auf GNU/Linux hätte umgestellt sein müssen, wenn Steinmeier wirkliche ein OS-/FOSS-Anhänger wäre. Denn Steinmeier war schon von 1999 bis 2005 Kanzleramtschef. Wenn wir jemandem aus dieser Riege dankbar sein müssten, dann höchstens Joschka Fischer, der von 1998 bis 2005 Außenminister war. Und in genau diese Zeit fiel die Entscheidung, das Außenministerium auf GNU/Linux zu switchen. Das einzige, was man daraus schließen könnte, ist, dass kein Schwarzer (im Sinne der politischen Ausrichtung) an der Entscheidung mitwirkte. Wenn man also GNU/Linux-Anhänger ist, dürfte man eine Partei schon mal nicht wählen... 😉 FLO
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