Sagen wir mal so.
Ich habe gehört, dass man, wenn man die Prüfung ablegt, unterschreiben muss, nichts über die Prüfung und die Inhalte Dritten gegenüber zu verraten; dass sie eine an die Grenze von Paranoia reichendes Bohei darum machen. Aber mir gegenüber ist geäußert worden, dass die Prüfungsfragen in besagtem Buch sehr gut den gestellten Fragen entsprechen.
Mein Informant, um ihn mal so zu nennen, meinte, dass er alle ihm gestellten Fragen, deren Auswahl aber wohl immer wieder neu zusammengewürfelt wird, aus dem Buch kannte.
Ich kenne Buch und Fragen, aber vermute, dass die meisten Linuxadministratoren das Zertifikat nicht ohne Training mit den Fragen bestehen würden, denn der Test ist eben so gestaltet, dass Multiple-Choice-Fragen abgefragt werden, so dass der Test weitgehend automatisiert ablaufen kann.
Geprüft wird, was leicht zu prüfen ist.
In der Praxis ist es aber so, dass man Kommandos und Schalter/Optionen, die man häufig benutzt, durch die Wiederholung automatisch auswendig lernt, und die selten benutzten kann man mit der Manpage und --help ins Gedächtnis rufen. Aber ich wüsste keinen guten Test, den man stattdessen durchführen kann. Als Arbeitgeber würde ich vielleicht 3 Aufgaben auf einer VM stellen und zusehen, wie der Proband das Problem angeht und löst. Wenn er von selbst Konfigurationsfiles in /etc sucht, logs in /var/log auswertet usw., Erfahrung zeigt, zeigt mir das dann mehr, als wenn er auswendig weiß, ob bei Commando cXY der Schalter für *rekursiv* -r oder -R ist.
Aber wie verbreitet das Schauen auf Zertifikate im Bewerbungsprozess ist? Das weiß ich nicht.
Denn andererseits ist es zwar so, dass man mit gezieltem Büffeln der Fragen und Antworten den Test bestehen kann, ohne je mit Linux gearbeitet zu haben, aber wer würde das tun? Dieser Jemand will einen Job, bei dem man tiefergehende Linuxkenntnisse braucht, aber er will nur das Zertifikat, um an den Job zu kommen? Was will er dann in dem Job? Gibt es da keine Probezeit?
Für die meisten Jobs wird man auch nicht alle Themengebiete gleichermaßen drauf haben müssen. Also falls ich mich für einen Linuxjob bewerben würde, würde ich auf das Zertifikat nicht so viel geben. Wenn ich es hätte, würde ich es aber erwähnen und auf der anderen Seite gäbe es einen kleinen Pluspunkt, das Zertifikat zu haben.
Eine Lerngruppe bilden und das Buch durcharbeiten ist eine gute Idee, wenn man das Zertifikat machen will. Es ist aber auch eine recht trockene Angelegenheit.